Benutzeranmeldung

hoelterhof.net

Tobias Hölterhof - Philosophie und Medien

Darf sich ein Computer selbst neustarten?

Neustart Windows

Ein unscheinbarer Hinweis verborgen hinter anderen Fenstern kündigt bei Windows Vista an, dass sich der Rechner in 5 Minuten neu starten wird. Vorausgegangen ist z.B. das automatische Herunterladen von Aktualisierungen aus dem Internet. Die Zeit zählt runter und ohne eine Einwilligung des Nutzenden abzuwarten startet sich schließlich der Rechner neu. So ist das frisch installierte Windows Vista konfiguriert -- sozusagen als "Werkeinstellung".

Schon oft ist es mir passiert, dass dieses Hinweisfenster von anderen Fenstern verdeckt war: z.B. bei einer Skype-Sitzung oder einer Präsentation. Dann kommt es vor, dass der Rechner plötzlich und unvorhergesehen eine Neustart durchführt. Bestimmt kann man dieses Verhalten in den Einstellungen umkehren (ich habe die Einstellung zwar noch nicht gefunden, möchte aber Microsoft nicht unterstellen, sie nicht vorgesehen zu haben). Ich halte aber diese Voreinstellung dennoch für eine unmenschliche Konfiguration von Windows Vista. Man könnte es fast schon als einen Bug bezeichnen. Der Neustart eines Desktop-Rechners sollte immer durch eine Aktivität des Nutzenden bestätigt werden.

Danke an Jörg Grünauer für den Screenshot. Andernfalls hätte ich dieses Hinweisfenster wohl nie bloggen können -- man sieht es ja nicht!

Twitter: Gedanken über die Kürze

200px-Twitter_logo.svg.png

Seit wenigen Tagen bin ich nun auch Mitglied der zwitschernden Community. Ich habe so lange gewartet, weil ich nicht ganz verstehe, warum plötzlich Twitter so populär ist. Warum soll ich noch einem Nachrichtendienst Aufmerksamkeit schenken, neben ICQ, Skype, E-Mail? Warum ist es schick, sich selbst beim Bloggen auf 140 Zeichen zu beschränken? Man könnte doch so viel schreiben... (bei Twitter wäre hier schon lange Ende!) Es erscheint mir, als hätte die SMS ihren Einzug ins Internet gefunden. Twitter und SMS liegen auch nicht weit auseinander: Bei der Anmeldung zu Twitter wird man nach seiner Handy-Nummer gefragt, um Tweets per SMS absenden zu können.

Der Grund, warum ich schließlich damit angefangen habe, ist die kommunikative Abgeschiedenheit: man unterhält sich plötzlich woanders! Diese Erkenntnis muss erst mal auf der Zunge zergehen: "Man" unterhält sich woanders. Ein Griff zum Bücherregal enthüllt in Martin Heideggers "Sein und Zeit" ein ganzes Kapitel zum "Man". Dieses Kapitel besitzt merkwürdige Ähnlichkeiten zu Twitter. Heidegger schreibt im Zusammenhang mit dem Man vom "Nichteingehen auf die Sachen", auf die eigentlichen und echten "Sachen". Es ist wirklich schwer vorzustellen, wie man in 140 Zeichen auf "die Sachen" eingehen soll. Vielleicht nehmen die Menschen in Twitter das genauso wahr? Ich finde es andererseits auch merkwürdig, dass in der Existenzphilosophie Medien häufig eine "uneigentliche" Rolle spielen und vom Eigentlichen ablenken. Warum lassen sich existenzielle Gespräche nicht über das Internet führen?

Gerade schreibt einwebdesigner zu #man: "#Würde #man #sich #ein #paar #hashtags #sparen #dann #hätte #man #am #ende #des #tweets #noch #ein #paar #mehr #zeichen #übrig"

Die einleitende Frage, die Twitter über das Eingabefeld für den 140-Zeichen-Zwitscher schreibt, lautet: "What are you doing". Diese Frage lässt vermuten, dass Twitter etwas mit Handlungen zu tun hat. Mein Eindruck bisher in diesem Punkt ist aber, dass Tweets nicht unbedingt immer Handlungen beschreiben. Aber es ist natürlich eine passende Idee: Handlungen lassen sich kurz auf 140 Zeichen beschreiben. Dabei ähnelt die Kürze der Eingabe der intuitiven Wahrnehmung: so schnell, wie man "gesehen" hat, was jemand tut, so schnell hat man den Tweet auch "gelesen".

Mallorca

IMG_7975.JPG

Bisher hat mich der Ruf dieser Baleareninsel immer davon abgehalten, sie wirklich einmal zu besuchen. Für lange im Vorfeld geplante Urlaube war Mallorca für mich nicht wirklich eine Option. Wenn wir uns nicht aufgrund der schlechten Wettervorhersage entschieden hätten, die geplanten Erholungstage in Deutschland umzudisponieren, hätte ich Mallorca wahrscheinlich noch immer hautsächlich mit Bildern aus S'Arenal assoziiert.

Dem ist aber nicht so und auch wenn ich einige Male von Mallorca schon als Wanderinsel gehört habe, hatte ich keine Vorstellung davon, wie schön diese Insel ist. Der Ruf wird ihr wirklich nicht gerecht. Das Tramuntana-Gebirge im Norden ist eine wunderschöne Gegend zum Wandern mit vielen Aussichten, märchenhaften Landschaften und atemberaubenden Klippen. Untergekommen sind wir in Peguera, einem doch noch sehr touristischem Ort, von dem aus aber bereits erste Wanderungen ins Gebirge möglich sind. Weiter in Richtung Norden werden die Wanderungen in den Reiseführern zahlreicher. Leider ist all das kein Geheim-Tipp mehr. Man kann stets jemanden nach dem Weg fragen -- und das auf deutsch. Im Gegensatz dazu begegnet man auf der kanarischen Insel El Hierro kaum einem Menschen auf den Wanderrouten. Es ist uns aber dennoch gelungen, ein paar vergessene Plätze am Meer zu finden. Wo die sich befinden schreibe ich jetzt nicht.

Dass S'Arenal aber doch auch auf Mallorca liegt, wird spätestens am Flughafen wieder deutlich.

Diaphora und Adiaphora

Diaphora mendica

Schon in seinen frühen Schriften, nämlich seiner Dissertation über die "Beziehungen zwischen den logischen und dem ethischen Prinzipien", stellt Max Scheler fest, dass ihm die stoische Unterscheidung der menschlichen Angelegenheiten in Diaphora und Adiaphora -- in sittlich relevante und sittlich gleichgültige Dinge -- eine Verkürzung des Reichtums menschlichen Lebens darstellt. Dazu muss man Wissen, dass in der Stoa die Adiaphora im allgemeinen deutlich "unfassender" ist, wenn man das so sagen darf: sie umfasst Schönheit, Reichtum, auch Gesundheit etc. Dies alles ist sittlich nicht wichtig und sollte uns nicht vom eigentlich Guten ablenken, nämlich der Tugend.

Nun findet sich im Internet, um genau zu sein: hier, eine Ausgabe der Werke von Epiktet (oder besser: eine Sammlung von Texten, die man im allgemeinen Epiktet zuschreibt -- die aber von ihm nicht geschrieben wurden). Epiktet ist ein Stoiker und auch bei ihm ist die Diaphora recht dürftig verglichen mit dem "Mutterschoß menschlichen Handelns", wie es Max Scheler ausdrücken würde. Eigentlich müsste die Diaphora bei Epiktet identisch sein mit dem, was "in unserer Macht liegt". Nur leider finde ich trotz Suchfunktion dieser Internet-Ausgabe seiner Werke keine Textstelle, in der er die Ausdrücke synonym verwendet, oder die darauf hinweist.

Und da dachte ich: vielleicht weiß da jemand bescheid? Übrigens heißt dieser hübsche Nachtfalter "Diaphora mendica" (wie eine Google Bildsuche zeigte). Merkwürdig, denn die Schönheit ist doch stoisch gesehen kein Gut?

Internationales Schopenhauer-Kierkegaard Symposium

Mein Beitrag: 
Schopenhauer und Kierkegaard: leidende Philosophen und Philosophien des Leidens
Ort: 
Kopenhagen

Sören Aabye Kierkegaard beginnt erst wenige Jahre vor seinem Tod mit der Rezeption der Philosophie von Arthur Schopenhauer und ist verwundert, einen Author zu entdecken, der ihm so ähnlich ist. Doch die Ähnlichkeit ist ambivalent. In einem Tagebucheintrag von 1854 stellt Kierkegaard über A. S. fest: „Recht wunderlich, ich heiße S. A. Wir verhalten uns wohl auch umgekehrt zueinander“ (Pap. XI1 A 144). Eine der markantesten Ähnlichkeiten zwischen den beiden Denkern ist ihre Fokussierung auf das Leiden. Mein Beitrag arbeitet Ähnlichkeiten und Unterschiede in der Leidensphilosophie der beiden Denker heraus.

Faksimile von Schopenhauer online

Anscheinend bin ich nicht mehr up to date! Ich warte noch immer darauf, dass die Kollegen im Kierkegaard-Forschungszentrum endlich den nächsten Satz an Kierkegaard-Tagebüchern auf www.sks.dk online stellen. Die Bücher NB29 & NB30 habe ich nun glücklicherweise über die Universitätsbibliothek erhalten. Aber sie sind eigentlich schon seit Herbst 2008 erschienen -- und noch immer nicht online? Die beiden Bücher sind so interessant, weil in ihnen die Aufzeichnungen Kierkegaards später und höchst verwunderlicher Schopenhauer-Rezeption zu finden sind. Beim Nachsehen, ob die Bücher nun online sind, stolpere ich über ich über eine ganz andere Meldung: Schopenhauers handschriftliche Manuskripte wurde als Faksimile online gestellt: www.schopenhauersource.org. Das Projekt hört sich vielversprechend an: Auch seine Werke sollen folgen.

Erhöhtes Fahrgastaufkommen

Die Erklärungen der Deutschen Bahn für die zahlreichen Verspätungen im Nahverkehr zeigen immer wieder, wie praktisch und aktuell die Philosophie der Erklärung sein kann. Diesmal eine (im Vergleich zum letzten Mal) sehr informative Aussage: "Wegen erhöhtem Fahrgastaufkommen hat Zug XX eine Verspätung von YY Minuten". Bei dieser Erklärung erscheint es als ausgeschlossen, dass etwas durch sich selbst erklärt wird.

Die Brisanz dieser Erklärung besteht jedoch in der Frage, ob das erhöhte Fahrgastaufkommen eine notwendige oder eine hinreichende Bedingung für die Verspätung ist:

  • Handelt es sich um eine notwendige Bedingung, so muss im Falle einer Verspätung immer auch ein erhöhtes Fahrgastaufkommen vorliegen. Das erhöhte Fahrgastaufkommen alleine ist jedoch nicht ausreichend, um eine Verspätung hervorzurufen. Denn bei notwendigen Bedingungen ist es immer auch denkbar, dass weitere notwendige Bedingungen hinzukommen müssen, um den Sachverhalt der Verspätung eintreten zu lassen.
  • Handelt es sich um eine hinreichende Bedingung, so ist das erhöhte Fahrgastaufkommen allein schon ausreichend, um eine Verspätung eintreten zu lassen. Es sind keine weiteren Voraussetzungen erforderlich. Anders als bei notwendigen Bedingungen ist es bei hinreichenden jedoch denkbar, dass der Sachverhalt der Verspätung auch durch andere Umstände hervorgerufen wird.

Es ist eindeutig nicht der Fall, dass stets ein erhöhtes Fahrgastaufkommen vorliegt, wenn ein Zug verspätet ist. Dafür spricht schon die Tatsache, dass die Deutsche Bahn mehrere unterschiedliche Ursachen für eine Zugverspätung kennt, aufführt und diese jeweils für sich als hinreichend darstellt. Insofern müsste es sich um eine hinreichende Bedingung handeln. Gegen eine hinreichende Bedingung spricht jedoch, dass das erhöhte Fahrgastaufkommen zumindest auf den Linien, mit denen ich täglich fahre, ein Normalzustand ist, der keineswegs täglich zu einer Verspätung führt. Manchmal ist die Bahn pünktlich. Insofern kann ein erhöhtes Fahrgastaufkommen zu einer Verspätung führen oder aber auch nicht. Die Frage ist: Ist es dann noch eine Erklärung für eine Verspätung?

Wie dreht man PDF-Dateien?

Es muss ja einmal ausgesprochen werden: meistens haben Linux-Benutzer eine gewisse Sympathie gegenüber der Tatsache, dass man die Dinge auch über eine Kommandozeile anstatt mit Mausklick machen kann. Es liegt auch eine gewisse Ästhetik darin, Bash-Befehle bis in die hundertste Iteration ineinanderzuschachteln um schließlich eine einzige Befehlszeile zusammenzubauen, die morgens gleichzeitig den Tee-Timer setzt, RSS-Feeds aggregiert und noch den Posteingang vom Spam reinigt. Versuchen Sie das mal mit Ihrer Maus!

Nun braucht man manche Befehle seltener, andere häufiger und erstere vergisst man natürlich schneller. Nach dem Motto cat /dev/brain möchte ich nun beginnen, sozusagen auch als eigene Gedankenstütze, diese zu bloggen. Den Anfang macht die Frage: Wie kann man eigentlich PDF-Dateien drehen?

Dazu muss das PDF-Toolkit installiert sein, also das Paket "pdftk" unter Ubuntu. Die Befehlszeile lautet:
pdftk in.pdf cat 1-endS output out.pdf
Dabei ist "in.pdf" die Eingabedatei, "out.pdf" die Ausgabedatei und das "S" unmittelbar hinter dem "1-end" gibt die Rotation an. Anstatt einer Gradzahl gibt man hier Himmelsrichtungen an:

  • S (south): 180 Grad
  • E (east): +90 Grad
  • W (west): -90 Grad

Die Zukunft ist schwarz!

schwarz-ist-in.jpg

Wer die neue Kubuntu-Version 8.10 installiert, sieht schwarz! Die unter dem Codenamen "Intrepid Ibex" geführte Version kommt nämlich mit KDE 4 daher, welches in schwarzer Optik eine neue Desktop-Philosophie umsetzt, so in etwa versteht sich der neue Plasma-Desktop. Auslöser für diese Veränderung ist die Beobachtung, dass sich der Desktop unserer Rechner seit 1984 nicht wesentlich verändert hat. Grob gesagt folgt die KDE damit einer Entwicklung, die auch Windows Vista durchmacht: dort gibt es eine Sidebar mit sogenannten "Minianwendungen". Während bei Windows hingegen der gesamte übrige Desktop weiterhin eine Ablage für Ordner und Dateien ist, packt die KDE diese Ablage auch in eine "Minianwendung". Fortan hat man einen transparenten Rahmen auf dem Bildschirm mit dem Titel "Arbeitsplatz", in dem die Dateien und Ordner erscheinen, die man zuvor auf dem gesamten Desktop verteilt hat.

Völlig neu sind diese Änderungen nicht, mir scheinen sie viel eher die Portal-Technologie aufzugreifen und den Desktop als Portal zu begreifen. Aber die Beobachtung der Plasma-Entwickler ist treffend: der Desktop hat sich tatsächlich kaum verändert. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass man den Desktop eigentlich kaum sieht? Spannend ist außerdem, wie der Gnome-Desktop mit dieser Entwicklung umgehen wird.

Leider sieht man mit Intrepid Ibex noch auf einer ganz anderen Weise schwarz. Mir erscheint dieses Release als sehr instabiel und nicht ausgereift. Ich empfehle daher, bei 8.04 zu bleiben. Zahlreiche Harware wird nicht erkannt (WLAN-Karten, Bluetooth-Sticks etc.), die unter (K)ubuntu 8.04 noch erkannt wurde. Das ist sehr ärgerlich! Einziger Lichtblick: Suspend-To-Disk funktioniert nun auf meinem Laptop.

Inhalt abgleichen

(c) 2009 Tobias Hölterhof | CMS Drupal | Layout basiert auf Abac von Artinet