Was kostet ein Fahrausweis von Neuwied nach Koblenz?

Geschrieben am 14.04.2008

Neuwied ist ein kleiner Ort ganz in der Nähe von Koblenz. Neuwied besitzt einen Bahnhof und dort hält täglich mehrmals ein Regionalexpress, der nach Koblenz weiterfährt. Nun angenommen man möchte eine Fahrkarte für diesen Regionalexpress für die Fahrt von Neuwied nach Koblenz kaufen, so stellt sich alsbald heraus, dass diese Karte an unterschiedlichen Orten unterschiedlich viel kostet. Ein Aktionsangebot? Special-Price nur für kurze Zeit? Man könnte meinen: eine systematische Benachteiligung von Vor-Ort-Wohnenden? Der Fahrausweis kann jedenfalls (fast) überall günstiger sein als vor Ort.

Die Sache sieht so aus: Geht man z.B. in Köln in das Reisezentrum der deutschen Bahn und bittet die Bahnangestellten um ein solches Ticket, so drucken diese schnell und unkompliziert ein DB-Ticket aus und verlangen dafür nicht mal 3 EUR. Dann fährt man die reizvolle Rheinstrecke und möchte nach einem entspannten Aufenthalt in Koblenz ein Ticket für die Rückfahrt kaufen. Dazu betritt man abermals das dortige Reisezentrum, zeigt das gekaufte Ticket aus Köln und verlangt ein entsprechendes Rückfahrticket. Dann jedoch erhält man die merkwürdige Auskunft, dass die Bahn dieses Ticket vor Ort nicht ausstellen kann. Man müsse sich an den Automaten des VRM (Verkehrsverbund Rhein-Mosel) wenden. Dort ist das Ticket aber teurer, auch ohne Bahncard. Es kostet hier 3,20 EUR.

Der Grund dafür ist der Verkehrsverbund. Neuwied und Koblenz liegen beide im Verkehrsverbund Rhein-Mosel. In Köln kann man keine Tickets des VRM kaufen, denn es gibt dort keinen VRM-Automaten. Daher verkauft die Bahn diese Tickets für die VRM-Strecke und zwar zu ihren eingenen Bedingungen: zum günstigeren DB-Tarif. Somit entsteht die merkwürdige Situation, dass es günstiger ist, das Ticket für die Hin- und Rückfahrt in Köln, Berlin, Hamburg oder sonstwo in Deutschland zu kaufen, nur nicht vor Ort.

Ein ganz unkompizierter Lösungsvorschlag an die Bahn und an die Verkehrsverbünde: einfach auf die Fahrkartenautomaten in Köln die VRM-Software installieren.

Übrigens eröffnet das ganz neue Geschäftszweige. Man könnte die Fahrkarten en mass in Köln kaufe, sich an den Bahnstieg im VRM stellen und diese zu Dumpingpreisen verkaufen. Es ist doch irgendwie absurd, oder?

Nachtrag: Mittlerweile gibt es solche VRM-Automaten und der Preisunterschied besteht nicht mehr. Der Blogeintrag bleibt somit ein Dokument der mitunter absurden Entwicklung von Strukturen im Bahnverkehr.