Sören Kierkegaard in Gilleleje

Geschrieben am 18.08.2008

Im Norden der dänischen Insel Seeland liegt der Ort Gilleleje, der so bekannt ist, dass ihn Sally O’Brien – Autorin des Lonly-Planet-Reiseführers für Copenhagen – nicht einmal im Stichwortverzeichnis erwähnt. Dafür aber Hornbæk, das nur einige Kilometer weiter östlich liegt und einen sehr langen Küstenstreifen mit den angeblich besten Ständen der Nordküste besitzt. Also Gilleleje ist für O’Brien keinen Ausflug ab Kopenhagen wert und daran merkt man, dass Sie keine besondere Kierkegaard-Liebhaberin ist. Dafür gibt es im SKC aber umso mehr davon und das ist Grund genug für einen Ausflug nach Gilleleje.

In Gilleleje hat Kierkegaard eine der meistzitierten Stellen aus seinen Tagebüchern verfasst. Heute ist kein Einführungsseminar in die Existenzphilosophie mehr denkbar ohne die folgenden – im übrigen retorischen – Fragen des gerade mal 22-Jährigen zu erwähnen:

„Es kommt darauf an, meine Bestimmung zu verstehen, zu sehen, was die Gottheit eigentlich will, daß ich tun solle; es gilt eine Wahrheit zu finden, die Wahrheit für mich ist, die Idee zu finden, für die ich leben und sterben will.“

Unabhängig davon, ob dieser eine Eintrag wirklich den Beginn der Existenzphilosophie markiert oder nur die ganz normalen Fragen eines jungen Erwachsenen dokumentieren, war Gilleleje ein oftbesucher Erholungsort für Kierkegaard, an dem er viel Zeit verbrachte. Daher hat man auch einen Stein für ihn aufgestellt, der die Inschrift „Sören Kierkegaard“ trägt. Jawohl, ich habe mich nicht verschrieben, es steht wirklich „Sören“ mit deutschem Umlaut dort, nicht „Søren“. Warum? Sehr merkwürdig! Leider haben wir keine Erklärung gefunden. Meine Vermutung: der Stein ist Made in Germany, und dort hat man kein “ø” auf der Tastatur.

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