Tivoli und Phantasialand: Kann man das vergleichen?

Geschrieben am 24.08.2008

In der letzten Woche war ich das erste Mal im Kopenhagener Tivoli. Sally O’Brian (die bereits erwähnte Autorin meines Reiseführers) beschreibt ihn als „entertainment park“ und da liegt ein Vergleich mit dem mir bestens vertrauten Phantasialand natürlich nahe. Ich konnte beinahe keine Attraktion besuchen, ohne sie nachträglich in Phantasialand-Kategorien einzuordnen: So ist etwa „Minen“ (Attraktion M im Tivoli-Plan) eine Mischung aus Hollywood-Tour und Silbermine. Aber je länger ich im Tivoli war – man sollte sich schon ein paar Stunden Zeit nehmen – desto mehr begann ich zu zweifeln, ob man diese beiden Parks überhaupt vergleichen kann? Die Dänen werden diesen Blog-Eintrages wahrscheinlich schon wegen des Titels indizieren. Den Tivoli gibt es in Kopenhagen nämlich seit 1843 und er ist ein unvergleichbares Nationalsymbol.

Aber liebe Dänen: man kann ihn vergleichen – ein wenig zumindest. Zunächst zahlt man nicht, wie im Phantasialand, teure 31 EUR für Eintritt und Attraktionen, sondern noch teurere 38,21 EUR (285 DKK). Dabei ist im Tivoli aber der Eintritt von der Benutzung der Attraktionen getrennt. Die 285 DKK setzen sich demnach aus 85 DKK Eintritt zusammen und 200 DKK für ein „Multi-Ride-Ticket“, mit dem man alle Rides einen Tag lang benutzen kann. Dieses Ticket lohnt sich bereits nach dem vierten Besuch der Achterbahn „Dæmonen“. Ansonsten kann man mehrere Single-Ride-Tickets für je 20 DKK kaufen, drei Single-Ride-Tickets sind für einen Besuch der besagten Achterbahn notwendig.

Dafür, dass der Park so teuer ist, sind die einzelnen Rides sehr kurz: kaum waren wir eingestiegen, mussten wir auch wieder aussteigen. Der Aufseher beim „Ballongyngen“ hat uns aber, da wenig los war, gleich zweimal fahren lassen. Was die Auswahl betrifft, zählt der Tivoli-Plan 25 Attraktionen und der Phantasialand-Plan 29. Wobei die Bezeichnung „Attraktion“ natürlich relativ ist: Kann man den Brunnen „Octowuzy“ im Phantasialand wirklich als Attraktion bezeichnen? Müsste man dann nicht jeden Wasserhahn im Plan aufführen? Mein Eindruck war dennoch, dass die Rides im Tivoli hinter denen im Phantasialand zurückbleiben.

Aber der Tivoli ist ja nicht nur eine Ansammlung von Attraktionen. Das wird bereits daran deutlich, dass man mit dem Multi-Ride-Ricket nicht die Konzerthalle oder das Tivoli-Varieté besuchen kann. Und auch ohne (noch deutlich teurere) Eintrittskarten für diese Veranstaltungen zu kaufen gibt es im Tivoli eine Big-Band, die drei mal am Tag spielt. Eben all das verdient eher den Begriff „Kultur“, als die Shows im Phantasialand…

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Sören Kierkegaard in Gilleleje

Geschrieben am 18.08.2008

Im Norden der dänischen Insel Seeland liegt der Ort Gilleleje, der so bekannt ist, dass ihn Sally O’Brien – Autorin des Lonly-Planet-Reiseführers für Copenhagen – nicht einmal im Stichwortverzeichnis erwähnt. Dafür aber Hornbæk, das nur einige Kilometer weiter östlich liegt und einen sehr langen Küstenstreifen mit den angeblich besten Ständen der Nordküste besitzt. Also Gilleleje ist für O’Brien keinen Ausflug ab Kopenhagen wert und daran merkt man, dass Sie keine besondere Kierkegaard-Liebhaberin ist.