Die Farbenfreundschaft zwischen Schopenhauer und Goethe

Geschrieben am 08.01.2010

Nachdem Arthur Schopenhauer seine Dissertation abgegeben hatte, ließ er sie auf eigene Kosten drucken und schickte Goethe ein Exemplar. Goethe kannte er bereits durch die geselligen Teeabende in Weimar, die seine Mutter Johanna Schopenhauer regelmäßig veranstaltete. Ehe er sich mit ihr zerstritt, wohnte er eine Zeit lang in ihrem Haus. Goethe hatte zu dieser Zeit bereits seine Farbenlehre veröffentlicht und ist war der ihm zugesandten Doktorarbeit beeindruckt.

Es kam 1813 zu einer Freundschaft zwischen Goethe und Arthur Schopenhauer, in der auch Schopenhauer an einer Abhandlung “Über das Sehen und die Farben” arbeitet. Goethe lieh im zum Experimentieren und Forschen seine optischen Apparate. Die beiden führten zahlreiche Gespräche über das Licht und die Farben. Doch so nah man sich zu Anfang stand, so sehr wurden die Differenzen in der Farbenfreundschaft sichtbar. Goethe schrieb zu diese Zeit folgendes Gedicht, das sich auf den Gedankenaustausch mit Schopenhauer bezieht:

„Was Gutes zu denken, wäre gut,
Fänd’ sich nur immer das gleiche Blut;
Dein Gutgedachtes, in fremden Adern,
Wird sogleich mit dir selber hadern.“

Die Differenzen zwischen den beiden sind erkenntnistheoretischer Natur und könnten nicht unterschiedlicher sein. Sie wurden in folgender temperamentvollen Äußerung Goethes deutlich: „Was, das Licht soll nur da sein, insofern Sie es sehen? Nein, Sie wären nicht da, wenn das Licht Sie nicht sähe!“. Goethe ist farbentheoretischer Realist. Bildlich gesprochen sind die Farben „Taten und Leiden des Lichts“. Das Licht wird durch die Finsternis getrübt und so entsteht die gelben Farbe. Die Finsternis wird durch das Licht erhellt und so färbt es sich blau. Schopenhauer dagegen erklärt die Farben durch eine Tätigkeit der Retina. Somit existieren Farben nur in der Wahrnehmung. Seine Erkenntnistheorie folgt einer Subjekt-Objekt-Trennung, bei der das Objekt die Vorstellung eines Subjekts ist und nur als Vorstellung existiert.

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Unbenutztes Zitat zu verschenken!

Geschrieben am 29.12.2009

Gerade überarbeite ich meine Dissertation. Dabei fallen natürlich auch hier und dort ein paar Textstellen weg. Schweren Herzens muss man sich derart von so mancher Kreation oder Entdeckung trennen. Dieses Zitat habe ich im Kapitel über Nietzsche immer weiter nach hinten verschoben… bis das Kapitel fast fertig ist und das Zitat noch immer keinen Platz gefunden hat. Ich glaube, dass ist ein sicheres Zeichen, dass ich es nicht mehr brauche. Es ist also unbenutzt.