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Schopenhauer und der Willensakt

Der "Wille" ist ein großer Begriff in der Philosophie Schopenhauers. Der Wille ist das Ding an sich, das was hinter der Wahrnehmung steht. An einem Gegenstand wird er so deutlich, wie sonst nirgends: am eigenen Körper. An ihm geschieht der Übergang vom Ding an sich in unsere Vorstellungen. Der entscheidende "Moment" dabei ist der Willensakt:

"Denn bei jedem Hervortreten eines Willensaktes aus der dunklen Tiefe unseres Inneren in das erkennende Bewußtseyn geschieht ein unmittelbarer Uebergang des außer der Zeit liegenden Dinges an sich in die Erscheinung" (WWV2, Kap. 18).

Aber wie kann man dieses Zitat verstehen? Ganz unförmlich könnte man zunächst vermuten: Immer wenn der Wille einen Akt verursacht, geschieht ein Übergang vom Ding an sich in die Wahrnehmbarkeit. Aber so einfach ist der Zusammenhang nicht. Schopenhauer hat ein ganzes Buch über Gründe und Verursachung geschrieben und grenzt diesen Übergang explizit an mehreren Stellen von einer "Ursächlichkeit" ab. Der Wille ist keine Ursache für einen Willensakt. Wie ist das zu verstehen?

Thomas von Aquin stellt dem Begriff "Akt" die "Potenz" entgegen. Ein Akt, so könnte man zusammenfassen, ist die Aktualisierung einer Potenz, einer Möglichkeit. Diese Aktualisierung ist zunächst ganz ohne Urheberschaft zu denken: Sie besagt, dass in diesem Fall die Verwirklichung dieser bestimmten Möglichkeit vorliegt. Verstehen wir "Willensakt" im obrigen Zitat jedoch auf diese Weise, dann wird die Aussage zunächst undeutlicher. Worin besteht das "Hervortreten"? Ein Willensakt ist dann schlicht die Verwirklichung einer Möglichkeit zu solchen Akten.

Das Entscheidende ist hier jedoch nicht der Willensakt, sondern die Erscheinung. Die Redewendung "Hervortreten aus der dunkeln Tiefe" bedeutet ein erhellen, ein sichtbar werden, ein erkennen. Der Willensakt erschöpft sich im erkennbar werden des Willens. Die erkenntnistheoretische Komponente füllt hier die Lücke, die der thomistisch verstandene Willensakt hinterläßt. Der Willensakt, die willentliche Handlung, steht bei Schopenhauer zum Willen nicht in einer ursächlichen sondern in einer erkenntnistheoretischen Beziehung.

Kommentare

vielleicht kann Narziss Ach und die "Willenspsychologie" weiterhelfen: sie unterscheidet Motivation, Volition und Handlung. Interssant: das Rubikon-Phänomen, das prä-volitaionale und post-volitionale Bewussteintszustände untescheidet.

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