Benutzeranmeldung

hoelterhof.net

Tobias Hölterhof

Philosophie

Philosource: Philosophische Literatur im Internet

Die fröhliche Wissenschaft von Friedrich Nietzsche (Quelle: Nietzsche Source)

Wer sich schon einmal wissenschaftlich mit Friedrich Nietzsche auseinandergesetzt hat, dem werden die folgenden Abkürzungen wahrscheinlich bekannt sein: KSG, KGW, KGB. Sie stehen für diverse Ausgaben der Schriften Nietzsches. Im Internet findet sich nun eine neue Abkürzung: "eKGWB". Das kleine "e" am Anfang der Abkürzung ist ja bereits aus anderen Kontexten bekannt und weist auf das Internet hin. Entprechend bezeichnet "eKGWB" bei Nietzsche Source die neue digitale Gesamtausgabe Werke und Briefe abgekürzt.

Neben der eKGWB enthält Nietzsche Source auch die Faksimiles der Manuskripte, Notizbücher und Erstausgaben von Nietzsches Werken. Stöbern in den digitalen Artefakten lohnt sich, denn darin finden sich nicht nur Texte sonden auch Bilder, wie dieses Fensterbild. Spannend an Nietzsche-Source ist nicht nur, dass damit eine zitierfähige Ausgabe der Schriften Nietzsches komplett für das Netz herausgegeben wird, sondern auch, dass damit seine Schriften direkt im Netz verlinkt werden können. Nietzsche gehört damit zum originären Inhalt des Netzes. Ein -- wie ich finde -- wichtiger Schritt.

Nietzsche Source gehört zum "Discovery Project: Philosophy in the Digital Era". Das Projekt versteht sich nicht nur als Föderation von philosophischen Texten, sondern will mit "Philospace" auch einen Arbeitsplatz für Applikationen schaffen, um mit der Literatur zu arbeiten. Neben Nietzsche Source öffnen bald auch

  • Socratics Source
  • Wittgenstein Source
  • Modern Philosophy Source
  • und viele mehr

Philosource ist jedoch nicht der einzige Auftakt, philosophische Literatur zitierfähig im Netz verfügbar zu machen. Die digitale Ausgabe von Kierkegaards Schriften ist ein Projekt des Sören Kierkegaard Forschungszentrums in Kopenhagen und verfolgt ähnliche Ziele.

Warum ist Metaphysik so merkwürdig?

Universität Mainz

Gestern war ich auf dem 3. Doktorandenkolloquium der Schopenhauer Forschungsstelle an der Universität Mainz. Ich hatte die Gelegenheit, mein Dissertationsvorhaben vorzustellen und zu diskutieren. Es war trotz der Hitze eine sehr konzentrierte und interessierte Atmosphäre, so dass sich meine Vorbereitungen in der vergangenen Woche gelohnt haben. Spannend ist es, in welcher Breite über Schopenhauer geforscht wird, sowohl hinsichtlich der Disziplinen als auch der Fragestellungen.

Wie oft in solche Kolloquien färben die Themen aneinander ab und diskutierte Aspekte finden sich in den unterschiedlichen Vorhaben wieder. Ein solches Thema, welches gleich mit dem ersten Vortrag begann, betraf Schopenhauers Metaphysik. Insbesondere bei interdisziplinären Vorhaben scheint man mit einer Skepsis gegenüber Metaphysik konfrontiert zu sein. Nun entwickelt Schopenhauer ein ausgeprägtes metaphysisches System, welches in seiner Philosophie immer wieder begegnet. Die Lösung besteht darin, die Metaphysik als "Deutung" zu interpretieren und die betroffenen philosophischen Aspekte Schopenhauers so zu rekonstruieren, dass es "wissenschaftlich" unproblematisch erscheint. Ist nur die Frage, ob man beim Resultat tatsächlich auf metaphysische Annahmen verzichtet. Ich vermute, dass auch die Skeptiker um eine metaphysische Weltdeutung nicht umher kommen...

Erhöhtes Fahrgastaufkommen

Die Erklärungen der Deutschen Bahn für die zahlreichen Verspätungen im Nahverkehr zeigen immer wieder, wie praktisch und aktuell die Philosophie der Erklärung sein kann. Diesmal eine (im Vergleich zum letzten Mal) sehr informative Aussage: "Wegen erhöhtem Fahrgastaufkommen hat Zug XX eine Verspätung von YY Minuten". Bei dieser Erklärung erscheint es als ausgeschlossen, dass etwas durch sich selbst erklärt wird.

Die Brisanz dieser Erklärung besteht jedoch in der Frage, ob das erhöhte Fahrgastaufkommen eine notwendige oder eine hinreichende Bedingung für die Verspätung ist:

  • Handelt es sich um eine notwendige Bedingung, so muss im Falle einer Verspätung immer auch ein erhöhtes Fahrgastaufkommen vorliegen. Das erhöhte Fahrgastaufkommen alleine ist jedoch nicht ausreichend, um eine Verspätung hervorzurufen. Denn bei notwendigen Bedingungen ist es immer auch denkbar, dass weitere notwendige Bedingungen hinzukommen müssen, um den Sachverhalt der Verspätung eintreten zu lassen.
  • Handelt es sich um eine hinreichende Bedingung, so ist das erhöhte Fahrgastaufkommen allein schon ausreichend, um eine Verspätung eintreten zu lassen. Es sind keine weiteren Voraussetzungen erforderlich. Anders als bei notwendigen Bedingungen ist es bei hinreichenden jedoch denkbar, dass der Sachverhalt der Verspätung auch durch andere Umstände hervorgerufen wird.

Es ist eindeutig nicht der Fall, dass stets ein erhöhtes Fahrgastaufkommen vorliegt, wenn ein Zug verspätet ist. Dafür spricht schon die Tatsache, dass die Deutsche Bahn mehrere unterschiedliche Ursachen für eine Zugverspätung kennt, aufführt und diese jeweils für sich als hinreichend darstellt. Insofern müsste es sich um eine hinreichende Bedingung handeln. Gegen eine hinreichende Bedingung spricht jedoch, dass das erhöhte Fahrgastaufkommen zumindest auf den Linien, mit denen ich täglich fahre, ein Normalzustand ist, der keineswegs täglich zu einer Verspätung führt. Manchmal ist die Bahn pünktlich. Insofern kann ein erhöhtes Fahrgastaufkommen zu einer Verspätung führen oder aber auch nicht. Die Frage ist: Ist es dann noch eine Erklärung für eine Verspätung?

European Conference on Educational Research (ECER 2008)

Mein Beitrag: 
Philosophical Aspects of Virtual Learning
Ort: 
Gothenburg, Sweden

Please find here my presentation on the European Conference on Educational Research (ECER) 2008. Click here and scoll down to download this presentation and for further informations. You can also leave a comment.

Wie stoisch ist Schopenhauer?

Auf den ersten Blick scheinen sie unvereinbar: der Pessimist Schopenhauer und der Stoiker Epiktet. Für beide ist der Leidensbegriff zentral in ihrer Philosophie, aber beide kommen zu unterschiedlichen Auffassungen. Für Epiktet ist alles Leiden der Welt nur eine Frage der Einstellung: man kann leben ohne zu leiden. Für Schopenhauer hingegen ist das Leiden das Positive und Glück nur die kurzzeitige Abwesenheit des Leidens: das Leben ist wesentlich Leiden.

Gleich am Anfang der "Welt als Wille und Vorstellung" schreibt Schopenhauer über die stoische Philosophie:

„Man sah ein, daß die Entbehrung, das Leiden, nicht unmittelbar und notwendig hervorging aus dem Nicht-haben; sondern erst aus dem Haben-wollen und doch nicht haben; daß also dieses Haben-wollen die notwendige Bedingung ist, unter der allein das Nicht-haben zur Entbehrung wird, und den Schmerz erzeugt“ (WWV1 §16)

Es folg ein Zitat von Epiktet, wo dieser von "epithymia" schreibt. Dass Schopenhauer eben eine solche Stelle zitiert ist gewissermaßen typisch für die Gegensätzlichkeit der beiden Autoren. Denn "epithymia" ist in der Philosophie von Epiktet ein Affekt und wird mit "unvernünftiger Begierde" übersetzt (vgl. Bonhöffer). Dass Epiktet aber auch eine Form der vernünftigen Begierde kennt, die niemals enttäuscht wird, habe ich bei Schopenhauer noch nicht gelesen. Epiktet sagt, man solle nur das begehren, was in der eigenen Macht steht. Schreibt Schopenhauer irgendwo darüber?

Wie sieht das aber konkret aus? Kritisch könnte man einwenden, bei Epiktet bleibe nicht gerade viel übrig, was man begehren kann. Ist dieser Gegensatz der beiden wirklich so groß? Im vierten Kapitel schreibt Schopenhauer, seine These von der Notwendigkeit des Leidens könne zu einer Art stoischen Gleichmuts hierüber führen (WWV1 §57). Liegt die schopenhauersche Askese und das epiktetsche Begehren so weit auseinander? Inwieweit ist Askese ein Nicht-Begehren?

Wann hat Schopenhauer was veröffentlicht?

Die folgende Zeitleiste veranschaulicht die erste Veröffentlichung oder erweiterte Neuauflage eines Buches von Arthur Schopenhauer zu seinen Lebzeiten:

  1. 1813: "Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde"

  2. 1816: "Über das Sehen und die Farben"

  3. 1818: "Die Welt als Wille und Vorstellung" (1. Band, erscheint mit der Jahreszahl 1819)

  4. 1836: "Über den Willen in der Natur"

    1839: Preisschrift "Über die Freiheit des menschlichen Willens" wird gekrönt.

    1840: Preisschrift "Über die Grundlage der Moral" wird nicht gekrönt.

  5. 1841: Die beiden Preisschriften erscheinen unter dem Titel "Die beiden Grundprobleme der Ethik"

  6. 1844: "Die Welt als Wille und Vorstellung" (2. Band, ebenso neue Auflage des 1. Bandes)

  7. 1847: Zweite und erweiterte Auflage von "Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde"

  8. 1851: "Parerga und Paralipomena"

    1854: Zweite Auflage "Über den Willen in der Natur"

    1859: Dritte Auflage "Die Welt als Wille und Vorstellung"

    1860: Zweite Auflage "Die beiden Grundprobleme der Ethik"

Schopenhauer und der Willensakt

Der "Wille" ist ein großer Begriff in der Philosophie Schopenhauers. Der Wille ist das Ding an sich, das was hinter der Wahrnehmung steht. An einem Gegenstand wird er so deutlich, wie sonst nirgends: am eigenen Körper. An ihm geschieht der Übergang vom Ding an sich in unsere Vorstellungen. Der entscheidende "Moment" dabei ist der Willensakt:

"Denn bei jedem Hervortreten eines Willensaktes aus der dunklen Tiefe unseres Inneren in das erkennende Bewußtseyn geschieht ein unmittelbarer Uebergang des außer der Zeit liegenden Dinges an sich in die Erscheinung" (WWV2, Kap. 18).

Aber wie kann man dieses Zitat verstehen? Ganz unförmlich könnte man zunächst vermuten: Immer wenn der Wille einen Akt verursacht, geschieht ein Übergang vom Ding an sich in die Wahrnehmbarkeit. Aber so einfach ist der Zusammenhang nicht. Schopenhauer hat ein ganzes Buch über Gründe und Verursachung geschrieben und grenzt diesen Übergang explizit an mehreren Stellen von einer "Ursächlichkeit" ab. Der Wille ist keine Ursache für einen Willensakt. Wie ist das zu verstehen?

Thomas von Aquin stellt dem Begriff "Akt" die "Potenz" entgegen. Ein Akt, so könnte man zusammenfassen, ist die Aktualisierung einer Potenz, einer Möglichkeit. Diese Aktualisierung ist zunächst ganz ohne Urheberschaft zu denken: Sie besagt, dass in diesem Fall die Verwirklichung dieser bestimmten Möglichkeit vorliegt. Verstehen wir "Willensakt" im obrigen Zitat jedoch auf diese Weise, dann wird die Aussage zunächst undeutlicher. Worin besteht das "Hervortreten"? Ein Willensakt ist dann schlicht die Verwirklichung einer Möglichkeit zu solchen Akten.

Das Entscheidende ist hier jedoch nicht der Willensakt, sondern die Erscheinung. Die Redewendung "Hervortreten aus der dunkeln Tiefe" bedeutet ein erhellen, ein sichtbar werden, ein erkennen. Der Willensakt erschöpft sich im erkennbar werden des Willens. Die erkenntnistheoretische Komponente füllt hier die Lücke, die der thomistisch verstandene Willensakt hinterläßt. Der Willensakt, die willentliche Handlung, steht bei Schopenhauer zum Willen nicht in einer ursächlichen sondern in einer erkenntnistheoretischen Beziehung.

Verzögerungen im Betriebsablauf

Wer viel mit der Bahn fährt wird die Ansage wahrscheinlich kennen: "Wegen Verzögerungen im Betriebsablauf wird sich die Abfahrt von Zug x um y Minuten verspäten".

Ich bin der Meinung, bei dieser Ansage handelt es sich eigentlich um eine Tautologie! Formulieren wir den hier diskutierten Satz als eine Wenn-Dann-Aussage, lautet er folgendermaßen: "Wenn Verzögerungen im Betriebsablauf vorliegen, dann verspätet sich ein Zug". Eine Tautologie ist in der Logik ein Satz, der unabhängig vom Zustand der Welt stets wahr ist. Ich behaupte nun, dieser Satz hat nicht die suggerierte logische Form "p -> q", sondern "p -> p". Demnach könnte man auch sagen: "Wenn sich ein Zug verspätet, dann verspätet sich ein Zug". Die Wenn-Dann-Aussage ist stets wahr, unabhängig davon, ob eine Verzögerung oder eine Verspätung vorliegt. Für die Ansage bedeutet dies: Es wird nichts Erklärt.

Die Stellung des Menschen im Kosmos

Autor/in: 
Scheler, Max
Erste Veröffentlichung: 
1928. Zuvor 1927 in: Der Leuchter

Scheler entwickelt eine Stufenfolge des psychophysischen Seins, in der den Tieren und den Pflanzen die Wesensformen Gefühlsdrangs, Instinkt, assoziatives Gedächtnis und praktische Intelligenz zukommen. Diese Formen betreffen sowohl das äußerliche, behavioristische Verhalten, wie auch das Innensein der Lebewesen. Der Mensch unterscheidet sich wesentlich von Tieren und Pflanzen durch seinen Geist. Unter "Geist" versteht Scheler das ideierende, vergegenständlichende Vermögen im Menschen. Der Geist jedoch ist das gegensätzliche Prinzip zum Leben.

Menschliches, Allzumenschliches

Autor/in: 
Nietzsche, Friedrich
Erste Veröffentlichung: 
1878
Bild: 
nietzsche-ma.jpg

Nietzsche betrachtet das Weltgeschehen als notwendig. Daraus folgt auch die Determination des menschlichen Verhaltens. Diesen Punkt baut Nietzsche zu einer Kritik der Schuld aus: Es ist unsinnig jemanden für ein Verhalten verantwortlich zu machen, wenn es keinen freien Willen gibt. Nietzsche redet von der "Unschuld des Werdens".

Inhalt abgleichen

(c) 2009 Tobias Hölterhof | CMS Drupal | Layout basiert auf Abac von Artinet