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Schopenhauer
Arthur Schopenhauer
Geschrieben am Sa, 22/09/2007 - 12:48 von Tobias HölterhofDie Farbenfreundschaft zwischen Schopenhauer und Goethe
Geschrieben am Fr, 08/01/2010 - 21:45 von Tobias HölterhofNachdem Arthur Schopenhauer seine Dissertation abgegeben hatte, ließ er sie auf eigene Kosten drucken und schickte Goethe ein Exemplar. Goethe kannte er bereits durch die geselligen Teeabende in Weimar, die seine Mutter Johanna Schopenhauer regelmäßig veranstaltete. Ehe er sich mit ihr zerstritt, wohnte er eine Zeit lang in ihrem Haus. Goethe hatte zu dieser Zeit bereits seine Farbenlehre veröffentlicht und ist war der ihm zugesandten Doktorarbeit beeindruckt.
Es kam 1813 zu einer Freundschaft zwischen Goethe und Arthur Schopenhauer, in der auch Schopenhauer an einer Abhandlung "Über das Sehen und die Farben" arbeitet. Goethe lieh im zum Experimentieren und Forschen seine optischen Apparate. Die beiden führten zahlreiche Gespräche über das Licht und die Farben. Doch so nah man sich zu Anfang stand, so sehr wurden die Differenzen in der Farbenfreundschaft sichtbar. Goethe schrieb zu diese Zeit folgendes Gedicht, das sich auf den Gedankenaustausch mit Schopenhauer bezieht:
"Was Gutes zu denken, wäre gut,
Fänd' sich nur immer das gleiche Blut;
Dein Gutgedachtes, in fremden Adern,
Wird sogleich mit dir selber hadern."
Die Differenzen zwischen den beiden sind erkenntnistheoretischer Natur und könnten nicht unterschiedlicher sein. Sie wurden in folgender temperamentvollen Äußerung Goethes deutlich: "Was, das Licht soll nur da sein, insofern Sie es sehen? Nein, Sie wären nicht da, wenn das Licht Sie nicht sähe!". Goethe ist farbentheoretischer Realist. Bildlich gesprochen sind die Farben "Taten und Leiden des Lichts". Das Licht wird durch die Finsternis getrübt und so entsteht die gelben Farbe. Die Finsternis wird durch das Licht erhellt und so färbt es sich blau. Schopenhauer dagegen erklärt die Farben durch eine Tätigkeit der Retina. Somit existieren Farben nur in der Wahrnehmung. Seine Erkenntnistheorie folgt einer Subjekt-Objekt-Trennung, bei der das Objekt die Vorstellung eines Subjekts ist und nur als Vorstellung existiert.
Google Books für die Rekonstruktion klassischer Kommentare -- oder: Schopenhauer liest Leibniz
Geschrieben am Fr, 20/11/2009 - 21:45 von Tobias HölterhofDie Google-Buchsuche findet zu mancher Suchanfrage eine Vielzahl von sehr alten Büchern, die Google in seinem Digitalisierungsprojekt einscannt. Besonders wenn es um wissenschaftliches Arbeiten mit dem Nachlass klassischer Autoren geht, sind diese alten Bücher sehr wertvoll. In den letzten Monaten habe ich das an einem Beispiel erfahren.
Zu Arthur Schopenhauer gibt es von Arthur Hübscher eine Ausgabe seines handschriftlichen Nachlasses, in dem die Bücher seiner privaten Bibliothek aufgeführt sind. Hübscher hat diesem Katalog einen eigenen Band gewidmet und alle Randnotizen, die Schopenhauer in seine Bücher gekritzelt hat, mit Seitenzahl wiedergegeben. Daraus geht z.B. hervor, dass Schopenhauer eine Ausgabe der Theodizee von Gottfried W. Leibniz besaß, die Johann Eduard Erdmann im Jahr 1840 herausgegeben hat. In diese Ausgabe schreibt er auf Seite 555 die Bemerkung:
„La question tourne sur le mésentendu que les uns entendent par ‚possible‘ ce qui généralem[en]t, c‘est à dire selon les lois de la nature, peut arriver; & les autres ce qui dans le cas individuel donné peut arriver c‘est à dire arrivera“
Aber auf welche Stelle bei Leibniz bezieht sich diese Bemerkung? Was genau steht auf Seite 555 der Ausgabe von 1840? Beeindruckend ist, dass Google genau diese Ausgabe bereits digitalisiert hat. Hier ist die Seite:
Spannend finde ich am Digitalisierungsprojekt, dass diese alten Bücher damit sehr einfach durchsuchbar und verfügbar werden, wo man sie sonst unter großem Aufwand herbeischaffen müsste. So wird ja z.B. der Buchbesitz klassischer Persönlichkeiten antiquarisch rekonstruiert und beschaffen, um solche Forschung zu erleichtern.
Schopenhauers Kommentar an Leibniz erscheint mir hier als eine Konkretisierung von Äußerungen, die er auch in der "Welt als Wille und Vorstellung" schreibt. Dort bezeichnet er das Verständnis darüber, was "möglich" ist und was eine Möglichkeit ausmacht, als einen der Hauptunterschiede zwischen dem Optimismus von Leibniz und seiner eigenen pessimistischen Philosophie.
Warum ist Metaphysik so merkwürdig?
Geschrieben am Sa, 04/07/2009 - 22:30 von Tobias HölterhofGestern war ich auf dem 3. Doktorandenkolloquium der Schopenhauer Forschungsstelle an der Universität Mainz. Ich hatte die Gelegenheit, mein Dissertationsvorhaben vorzustellen und zu diskutieren. Es war trotz der Hitze eine sehr konzentrierte und interessierte Atmosphäre, so dass sich meine Vorbereitungen in der vergangenen Woche gelohnt haben. Spannend ist es, in welcher Breite über Schopenhauer geforscht wird, sowohl hinsichtlich der Disziplinen als auch der Fragestellungen.
Wie oft in solche Kolloquien färben die Themen aneinander ab und diskutierte Aspekte finden sich in den unterschiedlichen Vorhaben wieder. Ein solches Thema, welches gleich mit dem ersten Vortrag begann, betraf Schopenhauers Metaphysik. Insbesondere bei interdisziplinären Vorhaben scheint man mit einer Skepsis gegenüber Metaphysik konfrontiert zu sein. Nun entwickelt Schopenhauer ein ausgeprägtes metaphysisches System, welches in seiner Philosophie immer wieder begegnet. Die Lösung besteht darin, die Metaphysik als "Deutung" zu interpretieren und die betroffenen philosophischen Aspekte Schopenhauers so zu rekonstruieren, dass es "wissenschaftlich" unproblematisch erscheint. Ist nur die Frage, ob man beim Resultat tatsächlich auf metaphysische Annahmen verzichtet. Ich vermute, dass auch die Skeptiker um eine metaphysische Weltdeutung nicht umher kommen...
Internationales Schopenhauer-Kierkegaard Symposium
Geschrieben am So, 22/02/2009 - 11:44 von Tobias HölterhofSören Aabye Kierkegaard beginnt erst wenige Jahre vor seinem Tod mit der Rezeption der Philosophie von Arthur Schopenhauer und ist verwundert, einen Author zu entdecken, der ihm so ähnlich ist. Doch die Ähnlichkeit ist ambivalent. In einem Tagebucheintrag von 1854 stellt Kierkegaard über A. S. fest: „Recht wunderlich, ich heiße S. A. Wir verhalten uns wohl auch umgekehrt zueinander“ (Pap. XI1 A 144). Eine der markantesten Ähnlichkeiten zwischen den beiden Denkern ist ihre Fokussierung auf das Leiden. Mein Beitrag arbeitet Ähnlichkeiten und Unterschiede in der Leidensphilosophie der beiden Denker heraus.
Wie stoisch ist Schopenhauer?
Geschrieben am Fr, 09/05/2008 - 20:27 von Tobias HölterhofAuf den ersten Blick scheinen sie unvereinbar: der Pessimist Schopenhauer und der Stoiker Epiktet. Für beide ist der Leidensbegriff zentral in ihrer Philosophie, aber beide kommen zu unterschiedlichen Auffassungen. Für Epiktet ist alles Leiden der Welt nur eine Frage der Einstellung: man kann leben ohne zu leiden. Für Schopenhauer hingegen ist das Leiden das Positive und Glück nur die kurzzeitige Abwesenheit des Leidens: das Leben ist wesentlich Leiden.
Gleich am Anfang der "Welt als Wille und Vorstellung" schreibt Schopenhauer über die stoische Philosophie:
Wann hat Schopenhauer was veröffentlicht?
Geschrieben am Sa, 22/09/2007 - 12:53 von Tobias HölterhofDie folgende Zeitleiste veranschaulicht die erste Veröffentlichung oder erweiterte Neuauflage eines Buches von Arthur Schopenhauer zu seinen Lebzeiten:

Schopenhauer und der Willensakt
Geschrieben am Mo, 17/09/2007 - 22:34 von Tobias HölterhofDer "Wille" ist ein großer Begriff in der Philosophie Schopenhauers. Der Wille ist das Ding an sich, das was hinter der Wahrnehmung steht. An einem Gegenstand wird er so deutlich, wie sonst nirgends: am eigenen Körper. An ihm geschieht der Übergang vom Ding an sich in unsere Vorstellungen. Der entscheidende "Moment" dabei ist der Willensakt:
"Denn bei jedem Hervortreten eines Willensaktes aus der dunklen Tiefe unseres Inneren in das erkennende Bewußtseyn geschieht ein unmittelbarer Uebergang des außer der Zeit liegenden Dinges an sich in die Erscheinung" (WWV2, Kap. 18).
Aber wie kann man dieses Zitat verstehen? Ganz unförmlich könnte man zunächst vermuten: Immer wenn der Wille einen Akt verursacht, geschieht ein Übergang vom Ding an sich in die Wahrnehmbarkeit. Aber so einfach ist der Zusammenhang nicht. Schopenhauer hat ein ganzes Buch über Gründe und Verursachung geschrieben und grenzt diesen Übergang explizit an mehreren Stellen von einer "Ursächlichkeit" ab. Der Wille ist keine Ursache für einen Willensakt. Wie ist das zu verstehen?
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