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Tobias Hölterhof

Philosophie

Medien - Wissen - Bildung: Kulturen und Ethiken des Teilens

Beitrag: 
Soziale Netzwerke im Internet als Phänomen der Sympathie: Eine Interpretation von Social Software in Anlehung an die Phänomenologie und Ethik Max Scheler
Beteiligte: 
Tobias Hölterhof
Datum: 
Friday, 18. November 2011
Ort: 
Innsbruck

Tagung des Medienforums Innsbruck.

Hetzjagd auf Philosophen in Ungarn

Heute erreicht mich ein offener Brief von Prof. Dr. Laszlo Tengelyi über die Lage der Philosophie in Ungarn. Er beschreibt eine Hetzjagd auf ungarische Philosophen, die infolge des neuen Mediengesetzes dort eingetreten ist. Den offenen Brief möchte ich hiermit im Anhang zugänglich machen.

Ein Schopenhauer-Herbst!

Arthur Schopenhauer

In diesem Herbst bieten Nancy Hölterhof und ich zwei ungewöhnliche Seminare über Arthur Schopenhauer in der Erwachsenenbildung an. Die Seminare beleuchten jeweils Eckpunkte seiner Philosophie. Zum Einen geht es um die eigene Erfahrung, die als unmittelbare Wahrnehmung den Archimedischen Punkt in Schopenhauers Denken bildet. Von diesem Ausgangspunkt entwickelt er eine selbstbezügliche und expressive Methode des Philosophierens. Im zweiten Seminar steht der Pessismismus im Mittelpunkt. Indem er das Negative als das Ursprüngliche enthüllt, geraten viele alltägliche und scheinbar selbstverständliche Überzeugungen des Lebens in eine ungeahnte und herausfordernde Kritik.

Die Seminare besitzen eine besondere Konzeption, die die Eigenheiten des Schopenhauerschen Denkens wiederspiegelt: Es soll neben der Vermittlung der Inhalte die persönliche Annäherung an die Philosophie im Zentrum stehen. In der Konzeption dieser Seminare ist demnach viel Raum für Introspektion vorgesehen, die gestalttherapeutisch angeleitet und begleitet wird. Schopenhauer ist einer der ersten Philosophen, der die Selbstbezüglichkeit des Wissens und Denkens herausgestellt hat. In seiner Vernunftkritik zeigt er Phänomene der Subjektivität als Grundlage der Vernunft auf: Er beschreibt, wie Wille, Drang und Gefühl auf die vermeintlich davon unabhängige Vernunft einwirken. Im Sinne einer persönlichen Annäherung an die Philosophie von Schopenhauer -- er selbst nahm das Philosophieren auch persönlich -- liegt es somit nahe, das eigene Erleben dieser Philosophie zu thematisieren. Hinzu kommt, dass es in Schopenhauers Texten viel zu erleben gibt!

Die Seminare finden statt an der Melanchton-Akademie in Köln, es sind noch Plätze frei:

Ursachen für erfolglose Ausbildungssuche

Diesmal stammt das Beispiel für die Diskussion über Tautologien in der Praxis nicht von der Deutsche Bahn, sondern vom Bundesinstitut für Berufsbildung. Im Jahresbericht 2009/2010 wird eine Forschungsstudie erwähnte, in der (u.a.) Faktoren für die erfolglose Suche nach Ausbildungsplätzen untersucht werden. Die Faktoren werden anhand einer Befragung der Jugendlichen ermittelt. Hier die kurze Zusammenfassung der Ergebnisse, wie sie im Jahresbericht auf Seite 11 zu lesen ist:

Hauptursachen für erfolglose Ausbildungsplatzsuche nach Einschätzung der Stellenbewerber/ -innen (Mehrfachnennungen möglich):
- erfolglose Bewerbungen (60 %)
- zu hohes Alter (24%)
- zu geringer Schulabschluss (18%)
- bewusste Entscheidung gegen Ausbildung (11%)
- persönliche Gründe (8%)
- frühzeitiger Ausbildungsabbruch (7%)
- Kündigung durch Betrieb (6%)

Untersucht wird eine erfolglose Suche. In der Philosophie des Geistes kann diese Suche als intentionale und voluntative Einstellung seitens des/der Suchenden nach einem Ausbildungsplatz interpretiert werden. Weiter müsste eine Diskrepanz zwischen der Einstellung und der Realität angenommen werden, denn der/die Suchende findet die Wirklichkeit in einer derartigen Konstellation, dass seine/ihre Suche erfolglos war. Nun ist die Frage, wie eine solche Wirklichkeitskonstellation aussehen muss, damit man von einer "erfolglosen Suche" sprechen kann. Hier könnte man die These vertreten, dass jede mögliche dieser Konstellationen eine "erfolglose Bewerbung" ist, d.h. eine "erfolglose Suche" im Kontext der Ausbildungssuche ist immer eine "erfolglose Bewerbung". Es würde sich nach dieser These also um eine Tautologie handeln und nicht um einen Faktor oder eine Ursache für die erfolglose Suche.

Man muss bei dieser These aber bedenken, dass nicht jede "Suche" auch zu "Bewerbungen" führt. Es gibt Fälle, in denen keine Ausbildungsstätte gefunden wurde, auf die sich der/die Suchende hätte bewerben können. Diese Punkt spricht schon klar gegen die Tautologie-These. Es könnte aber auch sein, dass keine Bewerbung geschrieben und abgeschickt wurde trotz einer gefundenen Ausbildungsstätte. Das könnte z.B. ein Fall von Willensschwäche sein. Das Befremdlich beim Phänomen der Willensschwäche ist ja gerade, dass etwas gewollt wird, aber keine Handlung erfolgt, die das Wollen zur Erfüllung bringen könnte.

Ich stolpere außerdem über den "Faktor", dass der/die Suchende sich gegen eine Suche entschieden hat: 11% gaben eine "bewusste Entscheidung gegen Ausbildung" an. Hierbei könnte es sich um eine Kontradiktion handeln, d.h. um zwei sich ausschließende Beschreibungen. Wenn eine Person etwas sucht und sich gegen die Suche entscheidet, dann kann diese Person eigentlich nicht mehr als "suchend" beschrieben werden. Die Suche kann dann auch nicht "erfolglos" sein, denn die intentionale Einstellung liegt nicht mehr vor.

Vielen Dank an Richard Heinen für den Hinweis!

Philosource: Philosophische Literatur im Internet

Die fröhliche Wissenschaft von Friedrich Nietzsche (Quelle: Nietzsche Source)

Wer sich schon einmal wissenschaftlich mit Friedrich Nietzsche auseinandergesetzt hat, dem werden die folgenden Abkürzungen wahrscheinlich bekannt sein: KSG, KGW, KGB. Sie stehen für diverse Ausgaben der Schriften Nietzsches. Im Internet findet sich nun eine neue Abkürzung: "eKGWB". Das kleine "e" am Anfang der Abkürzung ist ja bereits aus anderen Kontexten bekannt und weist auf das Internet hin. Entprechend bezeichnet "eKGWB" bei Nietzsche Source die neue digitale Gesamtausgabe Werke und Briefe abgekürzt.

Neben der eKGWB enthält Nietzsche Source auch die Faksimiles der Manuskripte, Notizbücher und Erstausgaben von Nietzsches Werken. Stöbern in den digitalen Artefakten lohnt sich, denn darin finden sich nicht nur Texte sonden auch Bilder, wie dieses Fensterbild. Spannend an Nietzsche-Source ist nicht nur, dass damit eine zitierfähige Ausgabe der Schriften Nietzsches komplett für das Netz herausgegeben wird, sondern auch, dass damit seine Schriften direkt im Netz verlinkt werden können. Nietzsche gehört damit zum originären Inhalt des Netzes. Ein -- wie ich finde -- wichtiger Schritt.

Nietzsche Source gehört zum "Discovery Project: Philosophy in the Digital Era". Das Projekt versteht sich nicht nur als Föderation von philosophischen Texten, sondern will mit "Philospace" auch einen Arbeitsplatz für Applikationen schaffen, um mit der Literatur zu arbeiten. Neben Nietzsche Source öffnen bald auch

  • Socratics Source
  • Wittgenstein Source
  • Modern Philosophy Source
  • und viele mehr

Philosource ist jedoch nicht der einzige Auftakt, philosophische Literatur zitierfähig im Netz verfügbar zu machen. Die digitale Ausgabe von Kierkegaards Schriften ist ein Projekt des Sören Kierkegaard Forschungszentrums in Kopenhagen und verfolgt ähnliche Ziele.

Warum ist Metaphysik so merkwürdig?

Universität Mainz

Gestern war ich auf dem 3. Doktorandenkolloquium der Schopenhauer Forschungsstelle an der Universität Mainz. Ich hatte die Gelegenheit, mein Dissertationsvorhaben vorzustellen und zu diskutieren. Es war trotz der Hitze eine sehr konzentrierte und interessierte Atmosphäre, so dass sich meine Vorbereitungen in der vergangenen Woche gelohnt haben. Spannend ist es, in welcher Breite über Schopenhauer geforscht wird, sowohl hinsichtlich der Disziplinen als auch der Fragestellungen.

Wie oft in solche Kolloquien färben die Themen aneinander ab und diskutierte Aspekte finden sich in den unterschiedlichen Vorhaben wieder. Ein solches Thema, welches gleich mit dem ersten Vortrag begann, betraf Schopenhauers Metaphysik. Insbesondere bei interdisziplinären Vorhaben scheint man mit einer Skepsis gegenüber Metaphysik konfrontiert zu sein. Nun entwickelt Schopenhauer ein ausgeprägtes metaphysisches System, welches in seiner Philosophie immer wieder begegnet. Die Lösung besteht darin, die Metaphysik als "Deutung" zu interpretieren und die betroffenen philosophischen Aspekte Schopenhauers so zu rekonstruieren, dass es "wissenschaftlich" unproblematisch erscheint. Ist nur die Frage, ob man beim Resultat tatsächlich auf metaphysische Annahmen verzichtet. Ich vermute, dass auch die Skeptiker um eine metaphysische Weltdeutung nicht umher kommen...

Erhöhtes Fahrgastaufkommen

Die Erklärungen der Deutschen Bahn für die zahlreichen Verspätungen im Nahverkehr zeigen immer wieder, wie praktisch und aktuell die Philosophie der Erklärung sein kann. Diesmal eine (im Vergleich zum letzten Mal) sehr informative Aussage: "Wegen erhöhtem Fahrgastaufkommen hat Zug XX eine Verspätung von YY Minuten". Bei dieser Erklärung erscheint es als ausgeschlossen, dass etwas durch sich selbst erklärt wird.

Die Brisanz dieser Erklärung besteht jedoch in der Frage, ob das erhöhte Fahrgastaufkommen eine notwendige oder eine hinreichende Bedingung für die Verspätung ist:

  • Handelt es sich um eine notwendige Bedingung, so muss im Falle einer Verspätung immer auch ein erhöhtes Fahrgastaufkommen vorliegen. Das erhöhte Fahrgastaufkommen alleine ist jedoch nicht ausreichend, um eine Verspätung hervorzurufen. Denn bei notwendigen Bedingungen ist es immer auch denkbar, dass weitere notwendige Bedingungen hinzukommen müssen, um den Sachverhalt der Verspätung eintreten zu lassen.
  • Handelt es sich um eine hinreichende Bedingung, so ist das erhöhte Fahrgastaufkommen allein schon ausreichend, um eine Verspätung eintreten zu lassen. Es sind keine weiteren Voraussetzungen erforderlich. Anders als bei notwendigen Bedingungen ist es bei hinreichenden jedoch denkbar, dass der Sachverhalt der Verspätung auch durch andere Umstände hervorgerufen wird.

Es ist eindeutig nicht der Fall, dass stets ein erhöhtes Fahrgastaufkommen vorliegt, wenn ein Zug verspätet ist. Dafür spricht schon die Tatsache, dass die Deutsche Bahn mehrere unterschiedliche Ursachen für eine Zugverspätung kennt, aufführt und diese jeweils für sich als hinreichend darstellt. Insofern müsste es sich um eine hinreichende Bedingung handeln. Gegen eine hinreichende Bedingung spricht jedoch, dass das erhöhte Fahrgastaufkommen zumindest auf den Linien, mit denen ich täglich fahre, ein Normalzustand ist, der keineswegs täglich zu einer Verspätung führt. Manchmal ist die Bahn pünktlich. Insofern kann ein erhöhtes Fahrgastaufkommen zu einer Verspätung führen oder aber auch nicht. Die Frage ist: Ist es dann noch eine Erklärung für eine Verspätung?

European Conference on Educational Research (ECER 2008)

Beitrag: 
Philosophical Aspects of Virtual Learning
Datum: 
Thursday, 11. September 2008
Ort: 
Gothenburg, Sweden

Please find here my presentation on the European Conference on Educational Research (ECER) 2008. Click here and scoll down to download this presentation and for further informations. You can also leave a comment.

Wie stoisch ist Schopenhauer?

Auf den ersten Blick scheinen sie unvereinbar: der Pessimist Schopenhauer und der Stoiker Epiktet. Für beide ist der Leidensbegriff zentral in ihrer Philosophie, aber beide kommen zu unterschiedlichen Auffassungen. Für Epiktet ist alles Leiden der Welt nur eine Frage der Einstellung: man kann leben ohne zu leiden. Für Schopenhauer hingegen ist das Leiden das Positive und Glück nur die kurzzeitige Abwesenheit des Leidens: das Leben ist wesentlich Leiden.

Gleich am Anfang der "Welt als Wille und Vorstellung" schreibt Schopenhauer über die stoische Philosophie:

„Man sah ein, daß die Entbehrung, das Leiden, nicht unmittelbar und notwendig hervorging aus dem Nicht-haben; sondern erst aus dem Haben-wollen und doch nicht haben; daß also dieses Haben-wollen die notwendige Bedingung ist, unter der allein das Nicht-haben zur Entbehrung wird, und den Schmerz erzeugt“ (WWV1 §16)

Es folg ein Zitat von Epiktet, wo dieser von "epithymia" schreibt. Dass Schopenhauer eben eine solche Stelle zitiert ist gewissermaßen typisch für die Gegensätzlichkeit der beiden Autoren. Denn "epithymia" ist in der Philosophie von Epiktet ein Affekt und wird mit "unvernünftiger Begierde" übersetzt (vgl. Bonhöffer). Dass Epiktet aber auch eine Form der vernünftigen Begierde kennt, die niemals enttäuscht wird, habe ich bei Schopenhauer noch nicht gelesen. Epiktet sagt, man solle nur das begehren, was in der eigenen Macht steht. Schreibt Schopenhauer irgendwo darüber?

Wie sieht das aber konkret aus? Kritisch könnte man einwenden, bei Epiktet bleibe nicht gerade viel übrig, was man begehren kann. Ist dieser Gegensatz der beiden wirklich so groß? Im vierten Kapitel schreibt Schopenhauer, seine These von der Notwendigkeit des Leidens könne zu einer Art stoischen Gleichmuts hierüber führen (WWV1 §57). Liegt die schopenhauersche Askese und das epiktetsche Begehren so weit auseinander? Inwieweit ist Askese ein Nicht-Begehren?

Wann hat Schopenhauer was veröffentlicht?

Die folgende Zeitleiste veranschaulicht die erste Veröffentlichung oder erweiterte Neuauflage eines Buches von Arthur Schopenhauer zu seinen Lebzeiten:

  1. 1813: "Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde"

  2. 1816: "Über das Sehen und die Farben"

  3. 1818: "Die Welt als Wille und Vorstellung" (1. Band, erscheint mit der Jahreszahl 1819)

  4. 1836: "Über den Willen in der Natur"

    1839: Preisschrift "Über die Freiheit des menschlichen Willens" wird gekrönt.

    1840: Preisschrift "Über die Grundlage der Moral" wird nicht gekrönt.

  5. 1841: Die beiden Preisschriften erscheinen unter dem Titel "Die beiden Grundprobleme der Ethik"

  6. 1844: "Die Welt als Wille und Vorstellung" (2. Band, ebenso neue Auflage des 1. Bandes)

  7. 1847: Zweite und erweiterte Auflage von "Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde"

  8. 1851: "Parerga und Paralipomena"

    1854: Zweite Auflage "Über den Willen in der Natur"

    1859: Dritte Auflage "Die Welt als Wille und Vorstellung"

    1860: Zweite Auflage "Die beiden Grundprobleme der Ethik"

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