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Tobias Hölterhof

Deutsche Bahn

Erhöhtes Fahrgastaufkommen

Die Erklärungen der Deutschen Bahn für die zahlreichen Verspätungen im Nahverkehr zeigen immer wieder, wie praktisch und aktuell die Philosophie der Erklärung sein kann. Diesmal eine (im Vergleich zum letzten Mal) sehr informative Aussage: "Wegen erhöhtem Fahrgastaufkommen hat Zug XX eine Verspätung von YY Minuten". Bei dieser Erklärung erscheint es als ausgeschlossen, dass etwas durch sich selbst erklärt wird.

Die Brisanz dieser Erklärung besteht jedoch in der Frage, ob das erhöhte Fahrgastaufkommen eine notwendige oder eine hinreichende Bedingung für die Verspätung ist:

  • Handelt es sich um eine notwendige Bedingung, so muss im Falle einer Verspätung immer auch ein erhöhtes Fahrgastaufkommen vorliegen. Das erhöhte Fahrgastaufkommen alleine ist jedoch nicht ausreichend, um eine Verspätung hervorzurufen. Denn bei notwendigen Bedingungen ist es immer auch denkbar, dass weitere notwendige Bedingungen hinzukommen müssen, um den Sachverhalt der Verspätung eintreten zu lassen.
  • Handelt es sich um eine hinreichende Bedingung, so ist das erhöhte Fahrgastaufkommen allein schon ausreichend, um eine Verspätung eintreten zu lassen. Es sind keine weiteren Voraussetzungen erforderlich. Anders als bei notwendigen Bedingungen ist es bei hinreichenden jedoch denkbar, dass der Sachverhalt der Verspätung auch durch andere Umstände hervorgerufen wird.

Es ist eindeutig nicht der Fall, dass stets ein erhöhtes Fahrgastaufkommen vorliegt, wenn ein Zug verspätet ist. Dafür spricht schon die Tatsache, dass die Deutsche Bahn mehrere unterschiedliche Ursachen für eine Zugverspätung kennt, aufführt und diese jeweils für sich als hinreichend darstellt. Insofern müsste es sich um eine hinreichende Bedingung handeln. Gegen eine hinreichende Bedingung spricht jedoch, dass das erhöhte Fahrgastaufkommen zumindest auf den Linien, mit denen ich täglich fahre, ein Normalzustand ist, der keineswegs täglich zu einer Verspätung führt. Manchmal ist die Bahn pünktlich. Insofern kann ein erhöhtes Fahrgastaufkommen zu einer Verspätung führen oder aber auch nicht. Die Frage ist: Ist es dann noch eine Erklärung für eine Verspätung?

Was kostet ein Fahrausweis von Neuwied nach Koblenz?

Neuwied ist ein kleiner Ort ganz in der Nähe von Koblenz. Neuwied besitzt einen Bahnhof und dort hält täglich mehrmals ein Regionalexpress, der nach Koblenz weiterfährt. Nun angenommen man möchte eine Fahrkarte für diesen Regionalexpress für die Fahrt von Neuwied nach Koblenz kaufen, so stellt sich alsbald heraus, dass diese Karte an unterschiedlichen Orten unterschiedlich viel kostet. Ein Aktionsangebot? Special-Price nur für kurze Zeit? Man könnte meinen: eine systematische Benachteiligung von Vor-Ort-Wohnenden? Der Fahrausweis kann jedenfalls (fast) überall günstiger sein als vor Ort.

Die Sache sieht so aus: Geht man z.B. in Köln in das Reisezentrum der deutschen Bahn und bittet die Bahnangestellten um ein solches Ticket, so drucken diese schnell und unkompliziert ein DB-Ticket aus und verlangen dafür nicht mal 3 EUR. Dann fährt man die reizvolle Rheinstrecke und möchte nach einem entspannten Aufenthalt in Koblenz ein Ticket für die Rückfahrt kaufen. Dazu betritt man abermals das dortige Reisezentrum, zeigt das gekaufte Ticket aus Köln und verlangt ein entsprechendes Rückfahrticket. Dann jedoch erhält man die merkwürdige Auskunft, dass die Bahn dieses Ticket vor Ort nicht ausstellen kann. Man müsse sich an den Automaten des VRM (Verkehrsverbund Rhein-Mosel) wenden. Dort ist das Ticket aber teurer, auch ohne Bahncard. Es kostet hier 3,20 EUR.

Der Grund dafür ist der Verkehrsverbund. Neuwied und Koblenz liegen beide im Verkehrsverbund Rhein-Mosel. In Köln kann man keine Tickets des VRM kaufen, denn es gibt dort keinen VRM-Automaten. Daher verkauft die Bahn diese Tickets für die VRM-Strecke und zwar zu ihren eingenen Bedingungen: zum günstigeren DB-Tarif. Somit entsteht die merkwürdige Situation, dass es günstiger ist, das Ticket für die Hin- und Rückfahrt in Köln, Berlin, Hamburg oder sonstwo in Deutschland zu kaufen, nur nicht vor Ort.

Ein ganz unkompizierter Lösungsvorschlag an die Bahn und an die Verkehrsverbünde: einfach auf die Fahrkartenautomaten in Köln die VRM-Software installieren.

Übrigens eröffnet das ganz neue Geschäftszweige. Man könnte die Fahrkarten en mass in Köln kaufe, sich an den Bahnstieg im VRM stellen und diese zu Dumpingpreisen verkaufen. Es ist doch irgendwie absurd, oder?

Verzögerungen im Betriebsablauf

Wer viel mit der Bahn fährt wird die Ansage wahrscheinlich kennen: "Wegen Verzögerungen im Betriebsablauf wird sich die Abfahrt von Zug x um y Minuten verspäten".

Ich bin der Meinung, bei dieser Ansage handelt es sich eigentlich um eine Tautologie! Formulieren wir den hier diskutierten Satz als eine Wenn-Dann-Aussage, lautet er folgendermaßen: "Wenn Verzögerungen im Betriebsablauf vorliegen, dann verspätet sich ein Zug". Eine Tautologie ist in der Logik ein Satz, der unabhängig vom Zustand der Welt stets wahr ist. Ich behaupte nun, dieser Satz hat nicht die suggerierte logische Form "p -> q", sondern "p -> p". Demnach könnte man auch sagen: "Wenn sich ein Zug verspätet, dann verspätet sich ein Zug". Die Wenn-Dann-Aussage ist stets wahr, unabhängig davon, ob eine Verzögerung oder eine Verspätung vorliegt. Für die Ansage bedeutet dies: Es wird nichts Erklärt.

Diese Ansage besitzt keinen informativen Gehalt, weil die Formulierung "Verzögerung im Betriebsablauf" und "verspäten" ein und das Selbe aussagen. Ich kann mir eine Verspätung nicht anders denken, als eine Verzögerung. Gelingt das jemandem? Es handelt sich eigentlich um Synonyme: Das Wortschatz-Portal der Universität Leipzig z.B. führt "verzögern" bei den Synonymen von "verspäten" auf.

Philosophie praktisch: Vielleicht könnte die Lektüre von Karl Popper weiterhelfen, die Ansage informativer zu gestalten?

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